Dr. med. Ursula Hülsbrink Dr. med. Bernhard Weise
Dr. med. Ursula Hülsbrink               Dr. med. Bernhard Weise

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Verwaltungsaufgaben erzwingen eintägige Praxisschließung

 

Es ist so weit. Die massive Überbeanspruchung durch Verwaltungsaufgaben zwingt uns dazu zukünftig 1 Tag im Quartal die Praxis zur Erledigung dieser Aufgaben für die Patientenversorgung zu schließen.

Nach reiflichen Überlegungen werden wir voraussichtlich jeweils den vorletzten Mittwoch des Quartals dazu nutzen.

Wir erledigen dann Verwaltungsaufgaben wie das Abarbeiten endloser Korrekturlisten, wir vervollständigen die Diagnosecodierungen, da wir für zumindest für jedes Medikament und für jede Leistung eine entsprechende Diagnose hinterlegen müssen.

Darüber hinaus befassen wir uns dann mit Qualitätsmanagement, Unfallverhütung, Hygienevorschriften, Datenschutzvorschriften, Notfallmanagement, Fehlermanagement, IT-Anbindung,  etc….

Um all diese Aufgaben während des Praxisalltags ordentlich zu bewerkstelligen fehlt uns die Zeit. Der größte Teil dieser Aufgaben hat mit unserer eigentlich ärztlichen Tätigkeit  nichts zu tun. Ganz im Gegenteil diese Aufgaben behindern in ganz massiver Weise unsere Arbeit.

Alle Bemühungen hier Änderungen zu bewirken versanden sofort oder es kommt zu Verschlimmbesserungen. Ich habe z.B. angeregt, dass bei Rezeptur bestimmter Arzneimittel, z.B. Insulin eine Diagnosecodierung entfallen könnte, da Insulin ausschließlich bei insulinpflichtigen Diabetikern verordnet wird. Gleichzeitig sind diese Patienten zumeist in diagnosekonformen DMP Programmen, die den Kassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen bekannt sind eingeschrieben.

Ähnliche Konstellationen finden sich bei Herz- und Asthmamedikamenten. Als Antwort erhalten wir dann in einem Alibi-Chat der KBV dass dies auf Vereinbarungen mit den Kassen beruhe und nicht geändert werden könne.

Schöne Beispiele für Verschlimmbesserungen sind die Zusammenführung zweier komplizierter Formulare für Rehasport (rot) und Funktionssport (grün) zu einem gemeinsamen, noch komplizierteren (rot-grünen) Formular, oder die Einführung einer neuen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor einigen Jahren, die das Ausstellen einer Endbescheinigung nach längerer Arbeitsunfähig zwar wirklich erleichtert, dafür aber normale, viel häufiger ausgestellte Arbeitsunfähigkeiten deutlich erschwerte.

Solche angeblichen „Verbesserungen von Verwaltungsabläufen“ kommen immer dann zustande, wenn man den Bock zum Gärtner macht. Wenn man eine durch und durch bürokratische Institutionen wie die KVen hier die Feder führen lässt, kann man doch nicht ernsthaft weniger Bürokratie erwarten.

An dieser Stelle wird das Versagen der Gesundheitspolitik der letzten 30 Jahre (diesen Zeitraum überblicke ich) überdeutlich. Minister ohne jede praktische Fachkenntnis, Instanzen mit einer unglaublichen und ach so transparenten Regelungswut, gemeint ist hier der Gemeinsame Bundesausschuss im Schulterschluss mit dem Gesundheitsministerium.

Auf der Strecke bleiben die Beteiligten die tagtäglich unter diesen skandalösen Bedingungen versuchen noch ein wenig Zeit für die Anliegen ihrer Patienten zu finden. Die Bemühungen des im Bankenbereich ausgebildeten aktuellen Gesundheitsministers Praxiszeiten zu verlängern klingt hier wie eine Ankündigung für noch mehr Bürokratie. Die IT-Anbindung macht es demnächst möglich.

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